Ö1

Radiokolleg - Der vernetzte Mensch

codesCodes und Communities (2). Gestaltung: Sarah Kriesche Zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft ist der Mensch sowohl Individuum, als auch Teil des sozialen Lebens. Ob Sprache, Mimik, Gestik oder Schrift, im Laufe der menschlichen Evolution wurden die Codes, mit denen wir kommunizieren, immer nuancierter, die Gesellschaftsformen immer komplexer. Wie schon die Erfindung der Schrift stellt die Digitalisierung, insbesondere "soziale Netzwerke" wie Facebook, Twitter, Instagram oder Snapchat, einen einschneidenden Punkt in der Menschheitsentwicklung dar: Wir kommunizieren anders, schließen anders Freundschaften und streiten anders. Ein "Digitales Ich", das wir in sozialen Netzwerken erschaffen, steht oftmals optimiert und konkurrierend zum "Analogen Ich". Die neuen Möglichkeiten des sozialen Miteinanders scheinen oft Überschattet von Schlagworten wie "Hate speech" oder "shitstorms", in welcher die dunklen Eigenschaften des Menschseins unkontrolliert auszubrechen scheinen. Mit Konsequenzen, die sich schon längst auch im Analogen niederschlagen. Das Ö1 Radiokolleg begibt sich auf eine Reise zu den Ursprüngen des sozialen Miteinanders des homo sapiens. Welche Erfolgsstrategien haben sich bewährt, wie haben sie sich im Laufe der Geschichte verändert und wie verändern soziale Netzwerke unser globales Miteinander? Welche sozialen Herausforderungen ergeben sich durch neue Kommunikationsformen? Kann ein Smiley tatsächlich ein Lächeln ersetzen, bedeutet das Bild eines Herzes bereits Liebe und inwieweit kann die menschliche Interpretationsfähigkeit den nonverbalen digitalen Nuancen gerecht werden? Denn nicht alles, was in einem Chat geschrieben steht, muss immer so gemeint sein. Beim Blick hinter die Kulissen boomt das Geschäft rund um unsere Kommunikation. Für die Betreiber-Unternehmen wie Facebook ist die technologisierte Form unserer Kommunikation, unsere Emotionen, Gedanken und Diskurse das Benzin, mit dem ihr Geschäftsmodell betrieben wird. Sie verfügen nicht nur über eine Daten-Hoheit, sondern auch über die Macht, Diskurse zu lenken, beziehungsweise die moralischen Richtlinien vorzugeben, unter denen Teilnehmerinnen und Teilnehmer partizipieren können. Zwischen selbstauferlegter ethischer Verantwortung und einem Wirtschaftsmodell, welches auf usergenerierten Daten basiert, ergibt sich zwangsläufig ein Zwiespalt, dessen gesamtgesellschaftliche Konsequenzen noch nicht im vollen Maße absehbar scheinen. Das Ökonomisieren der Privatsphäre wirkt sich auch auf die Art und Weise aus, was und wie wir miteinander kommunizieren: Zwischen Utopien des weltweiten konstruktiven Diskurses und Dystopien, in welcher Propaganda Wahrnehmungen beeinflussen soll, entwickelt der Mensch neue Strategien der Kommunikation und des sozialen Miteinanders, dessen Ausgang für Demokratie und Gesellschaft derzeit kaum abschätzbar scheinen.
Dienstag 09:05 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Bayern 2

radioWissen

irmgard keunIrmgard Keun und die Großstadt Irmgard Keun Frau mit Humor Die Großstadt in der Literatur Lichterflut steht ihr gut Das Kalenderblatt 14.8.1901 Frankenpower: Gustav Weißkopf und der wirklich erste Motorflug Von Simon Demmelhuber Irmgard Keun - Frau mit Humor Autorin: Justina Schreiber / Regie Petra Herrmann Sie gab dem Heer der Stenotypistinnen in der späten Weimarer Republik eine Stimme. Irmgard Keuns Romane "Gilgi - eine von uns" (1931) und "Das kunstseidene Mädchen" (1932) erzählten von den Sehnsüchten moderner Großstadt-Heldinnen. Mit dem Typus der schlagfertigen, etwas naiven Sekretärin traf die junge Autorin, die selbst im Büro gearbeitet hatte, den Nerv der Zeit. In ihrer witzigen Rollenprosa spiegelten sich Einflüsse von Film und Schlager. Weiblicher Anstand sah anders aus! Die Nationalsozialisten erklärten die Bücher zur "Asphaltliteratur mit antideutscher Tendenz". Keun ging ins Exil und schrieb den zeitkritischen Roman "Nach Mitternacht". Obwohl sich nach dem Zweiten Weltkrieg Rundfunkanstalten und Verleger um sie bemühten, gelang es ihr nicht mehr, an die frühen Erfolge anzuknüpfen. Die Schriftstellerin litt an schwerer Alkoholsucht. Aber kurz bevor sie 1982 starb, konnte Irmgard Keun erleben, wie die feministische Literaturkritik ihre Werke wiederentdeckte. Die Großstadt in der Literatur - Lichterflut steht ihr gut Autorin: Dorit Kreissl / Regie: "Paradies und Hölle können eine Stadt sein: für die Mittellosen ist das Paradies die Hölle". Das schrieb Bert Brecht über Hollywood, wo er 1941 Zuflucht vor den Nazis fand, das Paradies aber war anderswo. Die Großstadt: Fluchtpunkt und Sehnsuchtsort für die, die sich ein besseres Leben erhoffen, zum Beispiel in New York. John Dos Passos hat ihr Scheitern in "Manhattan Transfer" beschrieben. Die Anfänge der Großstadt-Literatur beginnen mit der Industrialisierung. Wie eine Großstadt das Leben der Menschen prägt, sie ins Verderben zieht, ihre Vielfalt, ihre Anonymität, hat viele Literaten des 19. und 20. Jahrhunderts fasziniert. Émile Zola beschreibt die Auswüchse des Kapitalismus, Honoré de Balzac die Gier der Pariser nach Gold und Vergnügen, Charles Dickens die Armut und das Elend Londons. Alfred Döblin lässt in "Berlin Alexanderplatz" die Kakophonie der Stadt im Kopf von Franz Biberkopf erklingen. Die Großstadt - ein Sündenbabel, das sich seine Opfer holt. Moderation: Kristina Thiele Redaktion: Petra Herrmann
Dienstag 09:05 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Ö1

Radiokolleg - Kurieren nach Kneipp

sebastian kneippDie Wechselbäder des Volksmediziners (2). Gestaltung: Ilse Huber Kneipp in aller Munde: Kuranstalten, Wassertherapien, pflanzliche Arzneien und naturkosmetische Produkte sind nur ein kleiner Teil dessen, womit sich der römisch-katholische Priester in seinen 76 Jahren auseinandersetzte. Wasser, Pflanzen, Ernährung, Bewegung und Ordnung - auf diesen fünf Säulen fußt eine gesunde Lebensweise à la Sebastian Kneipp. Er selbst ist schon mehr als 120 Jahre tot, doch seine naturkundliche Philosophie lebt weiter fort. Dabei wäre er als 25-Jähriger beinahe gestorben. An Tuberkulose - einer weitverbreiteten Krankheit des vorletzten Jahrhunderts. Es dauerte mehrere Jahre bis er vollständig genesen war, und das auch dank eines Buches, das ihn darauf brachte, mit kaltem Wasser zu experimentieren. Inspiriert durch den Arzt Johann Sigmund Hahn, unternahm er Bäder in Dillingen an der Donau. Die belebenden Erfolge sollten ihn nicht mehr loslassen und brachten ihm die Bezeichnungen "Wasserdoktor" und "Cholera-Kaplan" ein. Sehr zum Missfallen der anerkannten Ärzte. Sie verklagten ihn wegen Kurpfuscherei. Mit dem Effekt, dass 1873 die allgemeine Kurierfreiheit erlassen wurde. Damit konnte das Universum Kneipp so richtig starten. Mit der Veröffentlichung des Buches "Meine Wasserkur" ging es los, es folgten pharmazeutische und kosmetische Produkte der Marke Kneipp. Die Menschen würdigten seine kostenlosen Behandlungen im Dienste der Gesunderhaltung. Schon zu Lebzeiten strömten sie zu ihm. Und auch heute ist Sebastian Kneipp omnipräsent. Ein Rückblick und Ausblick über einen Mann, der vom Papst mit dem Titel Monsignore ausgezeichnet und von den Menschen als Kräuterpfarrer bezeichnet worden ist.
Dienstag 09:30 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Ö1

Radiokolleg - Ella Fitzgerald

ella fitzgeraldFirst Lady of Song (2). Gestaltung: Ute Maurnböck. Ihr Improvisationstalent brachte sich nach ganz oben. Weil der damals 17jährigen Ella beim ersten Vortanzen die Knie so schlotterten, dass sie sich kaum auf den Beinen halten konnten, improvisierte sie: sie sang stattdessen ein Lied und wurde prompt als Sängerin engagiert. Als ihr Jahre später der Text von "Mack the Knife" bei einem Auftritt in Berlin nicht einfallen wollte, improvisierte sie wiederum: "Oh Bobby Darin and Louis Armstrong They made a record, oh but they did And now Ella, Ella, and her fellas We"re making a wreck, what a wreck of Mack the Knife" Das Leben der unprätentiösen, drei Oktaven umfassenden Stimmakrobatin gehörte der Musik. Sie interpretierte Songs auf eine Weise wie keine Jazzsängerin vor ihr, spielte Instrumente mithilfe ihrer Stimmbänder, scattete als eine der Ersten und bewegte sich musikalisch sicher zwischen den unterschiedlichsten Genres: von Bebop über Samba bis zum Hip Hop. - Am 25. April 2017 jährte sich ihr Geburtstag zum 100. Mal.
Dienstag 09:45 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

annette kolbAnnette Kolb und Gustave Eiffel Annette Kolb Vermittlerin zwischen Frankreich und Deutschland Gustave Eiffel Der Mann fürs Große Das Kalenderblatt 14.8.1901 Frankenpower: Gustav Weißkopf und der wirklich erste Motorflug Von Simon Demmelhuber Annette Kolb - Vermittlerin zwischen Frankreich und Deutschland Autorin: Brigitte Kohn / Regie: D" Leut ärgern. Und seine Meinung sagen. Das war für die Schriftstellerin Annette Kolb, 1870 in München geboren, ganz wichtig. Vielleicht, weil sie als Tochter eines bayerischen Gartenarchitekten und einer französischen Musikerin Einflüssen ausgesetzt war, die die Liebe zum Vieldeutigen und Unkonventionellen in ihr befördert haben. Und die Liebe zu zwei Völkern, zu Bayern und zu Frankreich. Zwei Weltkriege trieben die konsequente Pazifistin ins Exil, und noch im hohen Alter setzte sie sich für Frieden und Völkerverständigung vor allem zwischen Deutschland und Frankreich ein. Ihre autobiographisch inspirierten Romane entwerfen zudem hintergründige Milieuschilderungen der Münchner High Society in der Prinzregentenzeit und setzen eigenständige Frauengestalten in Szene. Gustave Eiffel - Der Mann fürs Große Autorin: Astrid Mayerle / Regie: Mehr als einhundert Konkurrenten hatte Gustave Eiffel, als er der Pariser Jury den Entwurf seines Büros vorlegte, den Entwurf für den später nach ihm benannten Eiffelturm. Kaum zu glauben: Der für damalige Verhältnisse unglaublich karge, schmucklose Bau löste zur Entstehungszeit heftige Diskussionen aus. Doch bereits bei seiner Eröffnung 1889 erwies sich das damals höchste Bauwerk der Welt als ein ungeheurer Besuchermagnet. Ingenieur Gustave Eiffel war bis dato vor allem durch profane Nutzbauten wie Brücken hervorgetreten. Der Eiffelturm wurde Eiffels gebaute Visitenkarte und sicherte ihm in der Folgezeit nicht nur europa- sondern weltweite Aufträge, obwohl der Turm maßgeblich von dreien seiner Mitarbeiter entworfen worden war. Der geschäftstüchtige Gustave Eiffel - auch ein unermüdlicher Netzwerker . Moderation: Christian Schuler Redaktion: Petra Herrmann
Dienstag 15:05 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Ö1

Tonspuren

paul bowles"Ein Amerikaner in Tanger. Das Leben des Paul Bowles". Feature von Hannes Doblhofer Als "Kultautor der Beat Generation", wie er manchmal bezeichnete wurde, verstand sich Paul Bowles nie. Auch wenn er beim Schreiben seinen Gedanken freien Lauf ließ, wie das auch die Beatniks gerne machten. Allerdings war Bowles für die Dichter der "geschlagenen Generation" von großer Bedeutung, allein schon wegen seines Wohnortes. Alle wichtigen Autoren der Beat Generation - Kerouac, Ginsberg, Burroughs - besuchten Bowles in Tanger, wo der in New York geborene Autor seit 1947 lebte. Tanger, das verhieß Sex, Drogen, Exotik und Sonnenschein, und zu dem Mythos der magischen Stadt hatte auch Bowles wesentlich beigetragen. In Tanger, das zu einem Mekka für amerikanische Schriftsteller geworden war, hatte Bowles vier große Romane, eine Autobiografie und über 60 Erzählungen verfasst. Als Schriftsteller wurde er vergessen und wiederentdeckt, zuletzt wenige Jahre vor seinem Tod, als der Regisseur Bernardo Bertolucci seinen erfolgreichsten Roman, "Der Himmel über der Wüste", verfilmte. Bowles starb 1998 in Tanger.
Dienstag 16:05 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Deutschlandfunk

Das Feature

ResozialisierungZweimal lebenslänglich Resozialisierung unter Höchststrafe Von Stephan Beuting Regie: der Autor Produktion: Dlf 2018 Draußen war W. Kfz-Mechaniker. Dann wurde er spielsüchtig. Er brauchte Geld und beraubte eine ältere Dame, die starb. Lebenslänglich. Draußen hat K. Geld mit Raubmorden verdient. Aus dem Gefängnis versuchte er auszubrechen, Geiselnahme mit versuchtem Mord. Mehrfach lebenslänglich. Die Taten der beiden liegen schon etliche Jahre zurück. Heute sitzen sie in der Haftanstalt Geldern Pont. Sie sitzen dort, damit die Gesellschaft vor ihnen geschützt ist. Aber vor allem, um sich zu bessern, denn das ist das vorrangige Ziel unseres Systems des freiheitsentziehenden Strafvollzugs. Aber was ist besser? Und was ist überhaupt gut? Gut heißt im Sinne der Resozialisierung zumindest, nicht wieder straffällig zu werden, ein Leben den Regeln entsprechend. Aber gerade was diese Regeln betrifft, gibt es ein Problem. Hier draußen bei uns gelten andere, als dort drinnen. Ein Feature über das lebenslängliche Leben im Knast. Zweimal lebenslänglich
Dienstag 19:15 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

Wir Weltverbesserer Ein Solidaritätsseminar in Brasilien 1989 - und ein Treffen fast 30 Jahre danach Von Philipp Gessler Im Sommer vor dem Mauerfall 1989 reist eine Gruppe von jungen engagierten Westdeutschen aus der so genannten ,3. Welt-Bewegung" für einen Monat nach Brasilien, um in einer verfallenen Klosteranlage mit Gleichaltrigen aus dem südamerikanischen Land über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit für eine gerechtere Weltordnung zu diskutieren. Mehr als 25 Jahre später treffen sich viele der Deutschen wieder - zu einem Seminar, das klären soll: Was haben wir damals gewollt? Was haben wir erreicht? Sind wir unseren Idealen treu geblieben? Wir Weltverbesserer - ein Feature mit echter Selbstkritik und leichter Nostalgie - oder andersrum!
Dienstag 19:30 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Ö1

Radiokolleg

ella fitzgeraldDer vernetzte Mensch. Codes und Communities (1). Gestaltung: Sarah Kriesche Kurieren nach Kneipp. Die Wechselbäder des Volksmediziners (1). Gestaltung: Ilse Huber Ella Fitzgerald. First Lady of Song (2). Gestaltung: Ute Maurnböck
Dienstag 22:08 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Deutschlandfunk Kultur

Feature

Ein trans-lesbisches Familienglück Oder: Das aufgeklärteste Kind der Welt Von Annika Erichsen Regie: die Autorin Mit: Monika Oschek Ton: Alexander Brennecke Produktion: Deutschlandradio Kultur 2017 Länge: 52"38 (Wdh. v. 27.05.2017) Eine Geschichte über Identität, den Kampf um Anerkennung und eine große Portion Familienglück. Julia und Caroline bekommen ein Kind. Bei der Untersuchung fragt die Frauenärztin: "Wie haben Sie es denn gemacht?" "Auf natürlichem Weg." Die Ärztin schaut auf: "Aber ich hätte Sie für eine Frau gehalten." "Bin ich ja auch, aber ich bin eben auch der Erzeuger des Kindes. Ich bin eine Transfrau", sagt Julia. Dass Geschlechtsidentität nicht unbedingt mit biologischen Merkmalen zu tun hat, ist für viele Menschen nicht einfach nachzuvollziehen. Über drei Jahre hinweg hat die Autorin die ungewöhnliche Kleinfamilie begleitet. Annika Erichsen, geboren 1981 in Schwäbisch Hall, studierte Kulturwissenschaften in Hildesheim und Marseille. Seit 2010 Feature-Autorin und Regisseurin für die ARD, Deutschlandradio und ARTE Radio in Frankreich. Zuletzt für Deutschlandradio Kultur: "Drei Schwestern und ein Downsyndrom" (2015), ausgezeichnet mit einem Sonderpreis des Marlies-Hesse-Nachwuchspreises 2016. Ein trans-lesbisches Familienglück
Mittwoch 00:05 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren